Das Reiten ist für viele von uns eine Leidenschaft, die uns Freude, Entspannung und eine
Verbindung zur Natur bietet. Doch manchmal können Ängste und Unsicherheiten uns eher
Stressen und uns daran hindern, unser Pferd und alles das, was drum herum gehört zu
genießen.
In solchen Momenten sind viele dazu geneigt, Rat und Unterstützung bei Ihren Mitmenschen
zu suchen. Doch Vorsicht ist geboten, denn nicht alle Ratschläge sind hilfreich im
Gegenteil, manche können sogar kontraproduktiv sein.
Neben den gut gemeinten Ratschlägen von Freunden und Familie, können auch ungewollte
Tipps innerhalb einer Stallgemeinschaft für Verwirrung sorgen. Oftmals herrscht dort ein
reger Austausch von Meinungen und Erfahrungen, der zwar gut gemeint ist, aber nicht immer
zielführend. Man hört Sätze wie: „Das ist doch gar nicht so schlimm, du übertreibst doch
nur!“ oder „Ich hatte auch mal Angst, aber jetzt reite ich ohne Probleme über Hindernisse.“
Hier sind einige gut gemeinte Ratschläge, die zwar aus bester Absicht gegeben werden, aber
möglicherweise nicht immer die gewünschte Wirkung haben:
1. „Reite einfach öfter, dann wird die Angst schon verschwinden.“
Diese Aussage mag zwar in einigen Fällen zutreffen, aber sie berücksichtigt nicht die
individuellen Gründe für die Ängste. Es ist nie richtig Emotionen zu unterdrücken
oder gar wegzudenken . Meistens ist es notwendig, die Ursachen der Angst zu
identifizieren und gezielt daran zu arbeiten, anstatt einfach nur häufiger zu reiten.
2. „Denk nicht so viel darüber nach, entspann dich einfach und hab Spaß.“
Es ist leichter gesagt als getan, seine Gedanken zu kontrollieren, insbesondere wenn
Ängste und Unsicherheiten im Spiel sind. Das Ignorieren oder wegdenken dieser
Gefühle kann zu noch mehr Stress führen. Es ist wichtig, sie anzuerkennen und
konstruktiv damit umzugehen.
3. „Stell dich deinen Ängsten, sei mutig!“ Lass deine Angst einfach zu Hause!
Mut ist sicherlich ein wichtiger Bestandteil des Reitens, aber es ist auch wichtig zu
wissen, wann man eine Pause einlegen und sich selbst schützen muss. Der Druck,
immer mutig zu sein, kann zu ungesunden Risikoverhalten führen.
4. „Nimm ein Beruhigungsmittel, dann wirst du dich besser fühlen.“
Medikamente können in den aller wenigsten Fällen helfen, daher sollten sie nicht als
die einzige Lösung betrachtet werden. Es ist wichtig, die zugrunde liegenden Ursachen
der Ängste zu verstehen und diese gegebenenfalls zu lösen und zu verarbeiten.
Wie sollten wir also mit diesen gut gemeinten Ratschlägen umgehen?
Zunächst einmal ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass jeder Mensch unterschiedlich ist
und dass nicht alle Ratschläge für jeden gleichermaßen geeignet sind. Es ist okay, Rat
anzunehmen, aber wir sollten kritisch hinterfragen, ob er für uns persönlich hilfreich ist.
Darüber hinaus ist es entscheidend, Selbstreflexion zu betreiben und die Ursachen unserer
Ängste und Unsicherheiten zu verstehen. Manchmal kann es hilfreich sein, professionelle
Unterstützung von einem Coach oder Therapeuten in Anspruch zu nehmen, um gezielt an
diesen Themen zu arbeiten. Natürlich auch in Zusammenarbeit von Pferdecoach und Coach
für den Reiter, um bei beiden Blockaden und Ängste zu lösen.
Letztendlich sollten wir uns daran erinnern, dass es keine Schande ist, Ängste und
Unsicherheiten zu haben. Das Reiten ist eine kontinuierliche Lernreise, und es ist völlig
normal, Höhen und Tiefen zu erleben. Wichtig ist, dass wir geduldig mit uns selbst sind und
uns die Zeit nehmen, die wir brauchen, um diese Herausforderungen zu meistern.
Und wenn es um Ratschläge von anderen geht, sollten wir sie dankbar annehmen, aber auch
unseren eigenen Instinkten vertrauen und nur das annehmen, was für uns persönlich am
besten ist.